Systemische Fragen

 

Systemische Fragen sind der Überbegriff für unterschiedliche Fragetypen, die in der systemischen Beratung, dem Coaching und der Therapie zur Anwendung kommen. Sie haben sich zu einem wichtigen Werkzeug in der Beratung entwickelt.

 

Es lohnt sich also sich mit den Grundlagen dieser Fragetechniken vertraut zu machen und ihren Einsatz zu üben.

In diesem Artikel wird der Sinn & Zweck der sechs wichtigsten systemischen Fragetechniken anhand von zahlreichen Beispielen für Ihren Coaching-, Beratungs- und Therapie Alltag erläutert.

 

Was sind systemische Fragen? Kurz & knapp

 

Systemische Fragen eröffnen neue Perspektiven und helfen Ihren Klienten, gewohnte Sichtweisen differenzierter zu betrachten.
Sie verdeutlichen die Beziehungen zwischen verschiedenen Personen & Systemen in denen wir täglich agieren (Familie, Gruppen, Arbeitsumfeld). Handlungsweisen und Zusammenhänge werden besser verstanden und können in der Folge hinterfragt, beziehungsweise verändert werden.

 

Dabei regen systemische Fragen die Fantasie, Gedanken und Selbstreflexion bei Klienten an, wodurch sie selbst auf neue Lösungsideen kommen. Sie helfen dem Klienten dabei, festgefahrene Wege zu verlassen, eigene Glaubenssätze und Handlungsmuster zu erkennen. In der Folge wird es einfacher, Lösungen für die jeweilige Situation zu finden und besser damit umzugehen.

Systemische Fragen helfen also den Kern von Problemen zu erforschen und bieten dem Coach /Berater und dem Klienten gleichermaßen tief gehende Einblicke in dessen Gedanken- und Gefühlswelt. Systemische Fragetechniken und die systemische Gesprächsführung sind bewährte Mittel in Coaching, Beratung, Therapie und der Persönlichkeitsentwicklung. Die folgenden Fragetechniken haben sich dabei besonders bewährt:

 

Systemische Fragen – Inhaltsverzeichnis zu den sechs wichtigsten Fragetechniken:

 

1. Zirkuläre Fragen: Was würden Ihre Klienten dazu sagen?

2. Skalierungsfragen: Auf einer Skala von 1 bis 10…

3. Hypothetische Fragen: Was wäre wenn?

4. Die Wunderfrage von de Shazer im Coaching und der systemischen Therapie

5. Paradoxe Fragen: Was können Sie tun, um keine Klienten für sich zu gewinnen?

6. Lösungsorientierte Fragen / Ressourcenorientierte Fragen: Was muss passieren, damit die Arbeit mit Ihren Klienten noch erfolgreicher wird?

7. Systemische Beratung & Therapie – Definition

8. Zusammenfassung: Systemische Fragen und Ihre Anwendung in Coaching, Beratung und Therapie

9. Systemische Fragen (PDF) – Fragebögen, Methoden und Übungen

 


1. Zirkuläres Fragen (auch: Triadische Fragen)

Was würden Ihre Klienten dazu sagen?

 

Zirkuläres Fragen ermöglicht Ihren Klienten einen Perspektivwechsel.
Sie werden bei dieser Fragetechnik nicht zu ihrer eigenen Einstellung und Handlungen befragt, sondern zu denen anderer Personen, die in ihrem Umfeld sind.

Das Ziel dieses „um die Ecke“ Fragens ist die gezielte Einnahme von unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen. So werden Prozesse in Beziehungssystemen erforscht und aufgedeckt. Neue Denkprozesse und Sichtweisen werden in Gang gesetzt und damit die Basis für eine Veränderung gelegt.

Zirkuläre Fragen entstammen der systemischen Therapie, sind aber auch im Coaching, Beratung und der Persönlichkeitsentwicklung ein wertvolles Tool.

 

Zirkuläre Fragen

Der Klient wird dazu eingeladen, die Perspektive zu wechseln und sich in die Position, Gefühls- und Gedankenwelt eines Dritten zu versetzen. Er mutmaßt, was dieser Antworten oder Tun würde.

Der Coach oder Therapeut (A) fragt dabei den Klienten (B), was der Dritte (C) zu einer bestimmten Frage oder Thematik denken könnte. Es werden somit Menschen aus der Umgebung des Klienten in den Prozess mit einbezogen.

 

Diese können dabei sogar persönlich anwesend sein (zum Beispiel bei Gruppeninterventionen oder in der systemischen Paartherapie).
Die direkte Konfrontation hat den Vorteil, dass für alle Beteiligten ein besseres Verständnis untereinander und füreinander erreicht werden kann.

Der Klient B stellt Hypothesen zum Verhalten oder zur Einstellung von C auf. Logischerweise müssen diese nicht dem tatsächlichen Denken & Handeln von C entsprechen.

Häufig sind Klienten von den Antworten des jeweils anderen sehr überrascht. Ein gutes Beispiel ist hier die Paartherapie, bei der beide Parteien die Wirklichkeit und mögliche Handlungen oder Reaktionen des Partners völlig anders einschätzen als dieser selbst.

Auch in Einzelsitzungen ist zirkuläres Fragen hilfreich und gibt Ihnen als Coach & Therapeut einen detaillierteren Einblick in die subjektive Wirklichkeit Ihres Klienten in Bezug auf sein Umfeld.

Dieses systemische Tool-Set hilft Klienten unbewusste Hindernisse, aber auch Potenziale im Umfeld zu erforschen und identifizieren.

 

Die Vorteile von zirkulären Fragen:

  • Helfen, die eigene Perspektive aufzugeben, sich in andere hineinzuversetzen und so einen neuen Blickwinkel einzunehmen
  • Alte, oft negative Glaubenssätze und Denkmuster können aufgebrochen und neue Lösungen, Ideen & Ansätze entwickelt werden
  • Hilft dem Coach & Therapeuten Informationen über Prozesse & Verhältnisse innerhalb einer Gruppe, beziehungsweise eines Systems zu gewinnen

 

Zirkuläre Fragen

 

Zirkuläres Fragen – Beispiele und Übungen für Coaching & Therapie:

 

Beispiele für zirkuläre Fragen in privaten Situationen:

Wie fühlt sich wohl Ihre Mutter, wenn Sie sich ständig mit Ihrer Schwester streiten?
Wie würde Ihr Vater reagieren, wenn er sieht, dass Sie Ihre Mutter zum Weinen bringen?
Wie fühlt sich Ihr Sohn, wenn Sie Ihrer Tochter ständig dabei helfen?
Wie fühlt sich wohl Ihre Frau, wenn Sie Ihre Kinder anschreien?
Wie würde Ihre Partnerin diese Frage beantworten?
Was glauben Sie, welche Erwartungen Ihr Partner in dieser Beziehung an Sie hat?
Wie sieht dieses Verhalten wohl aus der Perspektive Ihrer Ehefrau aus?
Warum hat Ihr Freund in dieser Situation so reagiert und nicht wie Sie es erwartet hätten?
Wie wirken diese Diskussionen vermutlich auf Ihre Kinder?
Wie würde Ihre Partnerin wohl auf diese Veränderung reagieren?

 

Beispiele für zirkuläre Fragen im beruflichen Kontext:

Was denken Sie, wie sich Ihre Kollegin in dieser Situation fühlt?
Wie würde Ihr Kollege diese Situation einschätzen?
Wie würde Ihr Kunde auf die Ankündigung einer Preiserhöhung reagieren?
Wie würde Ihr Chef auf diese Veränderungen reagieren?
Was würden Ihre Kolleginnen sagen, wenn Sie sich in dieser Situation anders positionieren?
Wie würde Ihre Vorgesetzte mit dieser Situation umgehen?
Was würde Ihr Geschäftspartner sagen, wenn Sie ihm diese Veränderung vorschlagen?
Wer leistet aus Sicht Ihrer Chefin bessere Arbeit? Sie oder Ihr Kollege?
Wenn Sie Ihren Vorgesetzten fragen, welche Atmosphäre im Team herrscht.

Was würde er antworten?

 

Im Toolset “Systemische Fragen” finden Sie 7 Fragebögen für die systemische Beratung, Coaching & Therapie. Sie erhalten die Arbeitsblätter als PDF und Word Datei zum direkten Download.

 

2. Skalierungsfragen:

Auf einer Skala von 1 bis 10…

Eine Skalierungsfrage wird in der systemischen Therapie, dem Coaching, Persönlichkeitsentwicklung und der Beratung eingesetzt, um Dinge zu erfahren, die in der Realität objektiv nicht, oder nur schwer messbar sind. Es können damit also subjektive Empfindungen wie Zufriedenheit, Motivation, Wahrnehmungen, Eindrücke, Gefühle und Fortschritte besprochen und vor allem auch verglichen werden.

In der Regel wird von einer Skala von 0/1 bis 10 gesprochen, wobei 0 für die schwächste und 10 für die stärkste Ausprägung steht. Klienten können bei dieser Frage einen Wert benennen, ohne genau definieren zu müssen, was dieser Wert konkret bedeutet.

 

Skalierungsfragen erleichtern die Wahrnehmung der Veränderung von Gefühlen und Emotionen

 

Skalierungsfragen eignen sich besonders gut, um Empfindungen und Gefühle auszudrücken. So lässt sich beispielsweise Selbstvertrauen oder auch Angstgefühle über eine Skala von 0 bis 10 quantifizieren. Die befragte Person nimmt eine Einschätzung vor, ohne genau zu definieren, was der gewählte Wert bedeutet.

Besonders hilfreich ist diese Einschätzung in Form von Zahlen, wenn die Einschätzung über einen längeren Zeitraum immer wieder abgefragt wird. So könnte man den Klienten bitten, sein Selbstvertrauen oder auch die Intensität seiner Angststörung täglich von 0 bzw. 1 bis 10 zu beschreiben.

Über den Zeitraum von einigen Tagen oder Wochen lassen sich über die veränderten Zahlenwerte Veränderungen im Empfinden des Klienten wahrnehmen.

Die Skalierungsfrage ist ein bewährtes Mittel bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen, aber auch wenn es darum geht das Selbstvertrauen eines Klienten zu stärken.

 

 

 

Was sind die Vorteile der Skalierungsfrage?

  • Veränderungen, Unterschiede & Fortschritte können erkannt und konkretisiert werden.
  • Gibt Klienten einen leichten Einstieg, um über Emotionen und Gefühle zu sprechen, ohne sie genau definieren zu müssen.
  • Macht subjektive Eindrücke leichter artikulierbar und vergleichbar.
  • Die Selbstreflexion angeregt und trainiert.
  • Coach oder Therapeut gewinnen Erkenntnisse über Gefühle & Empfindungen, ohne dass der Klient diese ausformulieren oder klar definieren muss.

 

Skalierungsfragen

 

Skalierungsfragen sind außerdem ein guter Einstieg in ein Thema, um es in der Folge tiefergehend zu bearbeiten.

Ein Beispiel:
Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie erfolgreich war die Umsetzung der Veränderungen seit der letzten Sitzung?

Mit der darauffolgenden Antwort kann nun näher darauf eingegangen werden, wieso „nur“ eine 5 und was es gebraucht hätte, damit es eine 7 wird. Ein passendes vom Psychotherapie-Forscher Paul Lambert entwickeltes Tool ist bereits in CleverMemo integriert und direkt einsetzbar.

 

Skalierungsfragen Beispiele:

 

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie motiviert fühlen Sie sich?
Wie beurteilen Sie das angesprochene Problem auf einer Skala von 1 bis 10?
Wie bewerten Sie Ihr momentanes Verhältnis auf einer Skala von 1 bis 10?
Wie schätzen Sie die Zufriedenheit in Ihrer neuen Position auf einer Skala von 1 bis 10 ein?
Wie würden Sie Ihre eigene Leistung auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten?
Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie gestresst sind Sie während einer Präsentation?
Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie glücklich sind Sie mit dieser Entscheidung?
Wie ordnen Sie die Schwierigkeit dieses Problems im Vergleich zu dem bereits gelösten ein?
Was hat sich geändert, dass Sie seit dem letzten Mal eine Verbesserung von 5 auf 7 erreicht haben?
Wie ist es Ihnen gelungen, auf eine 6 zu kommen?
Was müsste passieren, damit Sie sich von einer 6 auf eine 8 steigern?
Wie konnte es Ihrer Meinung nach zu einer Verringerung von 6 auf 4 kommen?

 

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3. Hypothetische Fragen: Was wäre, wenn?

 

Hypothetische Fragen

 

Hypothetische Fragen zielen meist auf die Zukunft ab und geben dem Klienten die Möglichkeit, neue Blickwinkel und Lösungsansätze in Gedanken durchzuspielen.

Hier geht es weniger darum ein Problem konkret zu lösen, als die Durchführbarkeit von neuen Wegen, Lösungen und Wunschvorstellungen zu evaluieren. Der Klient beschreibt – und erlebt somit – mögliche Szenarien, um sein Problem zu lösen, oder die gewünschte Veränderung herbeizuführen. Die Kreativität und Eigeninitiative des Coachees wird durch diese Fragetechnik angeregt.

Entscheidend für den Erfolg der hypothetischen Frage ist, inwiefern sich der Befragte mit dieser hypothetischen Situation bereits auseinandergesetzt hat und wie gut er sich in diese Situation hineinversetzen kann. Oft gibt diese Art der Fragen auch Einblicke in das Selbstvertrauen und den Selbstwert der Klienten.

 

Im Idealfall wird dem Befragten außerdem schnell klar, ob dieser Weg erstrebenswert, oder überhaupt realistisch umsetzbar ist. Klienten können hierbei oftmals die Folgen einer Umsetzung der Lösung oder Veränderung für sich und auch das eigene Umfeld abschätzen.

 

Hypothetische Fragen können provozieren

 

Eine Unterkategorie der hypothetischen Fragen sind die Verschlimmerungsfragen.
Diese sind eher provozierend und in festgefahrenen Situationen hilfreich. Sie zielen darauf ab, den Klienten dazu zu bringen, sich vorzustellen, wie die für ihn sowieso schon schwierige Situation sich noch weiter verschlechtern kann.

 

Was müssen Sie tun, um Ihr Problem zu behalten, oder die Lage sogar noch zu verschlimmern?

 

Sie als Coach oder Therapeutin haben so die Möglichkeit herauszufinden, welche Bedingungen für die Lösung des Problems unverzichtbar sind.

 

Die Vorteile von hypothetischen Fragen:

 

  • Die Kreativität beim Klienten wird durch die Suche nach potentiellen Lösungen angeregt.
  • Kann zu Klarheit darüber führen, ob ein Wunsch oder Ziel tatsächlich erstrebenswert ist.
  • Der Coach oder Therapeut kann aus den Antworten gemeinsam mit dem Klienten die nächsten Schritte im Prozess erörtern.

Hypothetische Fragen Beispiele:

 

Wie würden Sie die Herausforderung angehen, wenn Geld keine Rolle spielt?
Was müssten Sie tun, wenn Sie noch mehr davon erreichen möchten?
Wie sieht der Idealzustand aus?
Was würden Sie tun, wenn Sie ganz allein eine Entscheidung herbeiführen könnten?
Wie würden Sie an die Aufgabe herangehen, wenn Zeit kein Faktor ist?
Wie würde eine Woche in diesem Beruf Ihrer Meinung nach aussehen?
Wie würde Ihre Partnerin reagieren, wenn Sie diesen Plan umsetzen?
Was wäre, wenn Sie sich auf einmal nicht mehr über Ihre Kollegin aufregen würden?
Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jemand in diesem Fall um Hilfe bittet?
Wie würde Ihr Traumberuf aussehen?
Wenn sich das Problem in den nächsten 6 Monaten nicht auflöst, welche Folgen hätte das?


4. Die berühmte Wunderfrage – Ein Muss in Ihrem Werkzeugkasten

 

Wunderfrage

 

Die Wunderfrage ist eine Unterkategorie der oben beschriebenen hypothetischen Frage. Sie gehört zum hilfreichen Methodenkoffer von Fragen, die der amerikanische Psychotherapeut Steve de Shazer entwickelt hat. Er geht davon aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Ziele, Wünsche, Ressourcen und Lösungen zu konzentrieren, anstatt auf die Ursachen der Probleme.

 

Die Wunderfrage lässt Ihren Klienten über mögliche Problemlösungen fantasieren. Sie ist besonders in verfahrenen und „aussichtslosen“ Situationen hilfreich. Das Ziel ist es, den Klienten dazu zu bringen, sich den bestmöglichen Zustand vorzustellen. Die Wunderfrage hilft dabei, neue Motivation und positive Gedanken zu fassen.

 

Eine mögliche Einleitung zur Wunderfrage in Coaching oder Therapie könnte lauten:

 

“Ich habe eine etwas ungewöhnliche Frage, bei der Ihre Vorstellungskraft benötigt wird. Stellen Sie sich vor, Sie verlassen unsere gemeinsame Sitzung und gehen nach Hause. Dort schauen Sie ein wenig fern, lesen ein gutes Buch und verbringen einen ganz gewöhnlichen Abend bevor Sie ins Bett gehen.

Während Sie schlafen, geschieht ein Wunder! All die Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten haben sich am nächsten Morgen in Luft aufgelöst…”

(Nun können Sie eine Folge von 3 bis 4 Fragen stellen, die den Klienten die Situation beschreiben lassen, in der das Problem gelöst oder das Ziel erreicht ist).

 

Woran merkt er es? Wie fühlt es sich an? Was ändert sich dadurch in seinem Leben?

 

Wunderfrage: Beispiel im Coaching und der systemischen Beratung

 

Was wäre, wenn das Problem von heute auf morgen einfach verschwunden wäre?
Wie stellen Sie sich den darauffolgenden Tag vor, ganz ohne das Problem?
Woran würden Sie als Erstes merken, dass das Problem nicht mehr vorhanden ist?
Wie würde sich das Verhältnis zu Ihrer Partnerin / Kollegin / Chefin ändern?
Was würde sich ändern, wenn Sie morgen früh aufwachen und Sie ihr Ziel erreicht haben?

 

 

 

 

5. Paradoxe Fragen: Was können Sie tun, um keine Klienten für sich zu gewinnen?

 

Paradoxe Fragen

 

Paradox heißt widersprüchlich.

Paradoxe Fragen im Coaching, Persönlichkeitsentwicklung und der Therapie zielen darauf auf, den Klienten mit einer Verstärkung seines eigentlichen Problems zu verblüffen. Die vom Klienten als schwierig empfundene Situation wird auf diese Weise überzeichnet. So können häufig neue Ideen und Lösungsansätze generiert werden.

 

Je nach Situation ist es hilfreich, paradoxe Fragen vorher anzukündigen, da sie Ihre Klienten oftmals genau mit dem gegenteiligen Szenario konfrontieren, welches sie eigentlich erwarten würden. Dadurch können Sie zu Beginn für Irritation sorgen.

 

Der Klient wird gefragt, wie er beispielsweise ein bestimmtes Projekt vollkommen zum Scheitern bringen könnte. Diese Fragetechnik eignet sich besonders in festgefahrenen und aus Klientensicht aussichtslosen Situationen. Der Klient wird gereizt, sich vorzustellen und zu beschreiben, sein Problem endgültig eskaliert, wodurch oft wertvolle (Gegen-) Reaktionen entstehen.

Neben paradoxen Fragen, gibt es auch ähnlich gelagerte Aufgaben, in denen Sie den Klienten dazu auffordern, sich bewusst zehn Minuten am Tag so richtig über seinen Chef zu ärgern. Aber eben nur diese zehn Minuten. Der Klient wird also dazu angehalten, sich seine Problemsituation in Gedanken bewusst zu durchleben.

Durch diese Aufgaben können sich festgefahrene Glaubens- und Verhaltensmuster auflösen und der Weg für neue freigemacht werden.

 

Paradoxe Fragen Beispiele:

 

Was müssten Sie tun, damit Sie endgültig einen Burnout erleiden?
Was müsste passieren, damit Ihr Chef sie feuert?
Was müsste passieren, dass sich Ihre Partnerin von Ihnen trennt?
Was müsste passieren, damit Sie sich endgültig von Ihrem Partner trennen?
Wodurch könnten Sie das Projekt endgültig zum Scheitern bringen?
Wie könnten Sie es erreichen, noch schlechter zu schlafen?
Wie könnten Sie es schaffen, sich noch öfter mit Ihren Kindern zu streiten?
Wie schaffen Sie es noch weniger motiviert zur Arbeit zu gehen?
Was müsste passieren, damit Sie sich noch mehr über Ihre Kollegen ärgern?
Wie ließe sich das Problem weiter verschlimmern?

 

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6. Lösungsorientierte Fragen / Ressourcenorientierte Fragen: Was muss passieren, damit die Arbeit mit Ihren Klienten noch erfolgreicher wird?

 

Lösungsorientierte Fragen

 

Im Gegensatz zu paradoxen Fragen liegt bei lösungsorientierten Fragen der Fokus ganz klar auf den vorhandenen Ressourcen und Lösungsmöglichkeiten für das jeweilige Problem. Diese Fragenart gibt Ihnen die Möglichkeit, das Gespräch mit Ihren Klienten auf positive Weise zu gestalten.

Lösungsorientierte Fragen können dazu dienen herauszufinden, welche Strategien und Möglichkeiten bereits ausprobiert wurden und welche Fähigkeiten und Chancen noch im Verborgenen liegen.

 

Steve de Shazer hat seine lösungsorientierten Interventionen mit einem Dietrich verglichen.
Dieser kann als Lösungsschlüssel bei verschiedenen Schlössern (Problemen, Veränderungsprozessen) dienen. Problemdiagnosen stabilisieren Probleme. Lösungen sind losgelöst von den jeweiligen Problemen (siehe auch de Shazer & Dolan 2008). Eine spezielle Form der lösungsorientierten Frage ist die bereits vorher erwähnte Wunderfrage.

 

Vorteile von lösungsorientierten Fragen & ressourcenorientierten Fragen:

 

  • Das Gespräch wird in einem positiven Kontext geführt
  • Der Klient konzentriert sich auf Möglichkeiten, bereits vorhandene Ressourcen und hilfreiche Menschen in seinem Umfeld
  • Der Befragte erkennt seinen Selbstwert und schöpft Motivation

 

Beispiele für lösungsorientierte Fragen & ressourcenorientierte Fragen:


Wann läuft es gut und Sie haben diese Sorgen & Probleme nicht?
Was ist dann anders, als wenn es schlecht läuft?
Wie vermeiden Sie, dass das Problem in dieser guten Phase auftritt?
Was ist notwendig, damit ein reibungsloser Ablauf sichergestellt ist?
Was muss passieren, damit diese gute Phase häufiger vorherrscht?
Wer könnte Ihnen dabei helfen?
Welche Ihrer Fähigkeiten sind hier besonders wertvoll?

Welche Ihrer Ressourcen und Fähigkeiten tragen zu Ihrer starken Resilienz bei?

Welche ähnlichen Herausforderungen haben Sie in der Vergangenheit bereits bewältigt? Und wie?
Woran liegt es, dass die Situation nicht noch schlimmer ist?

 

Systemische Beratung & Therapie – Definition

 

Unter dem Begriff Systemische Beratung verbergen sich unterschiedliche Beratungsformate. Dazu gehört beispielsweise die systemische Paartherapie, Familienberatung, Therapie, Coaching, Supervision, Sozialberatung, Persönlichkeitsentwicklung, Business Coaching).

Die systemische Beratung und Therapie bezeichnet die Beratung von Einzelpersonen oder Gruppen (Familien, Paare, Mitarbeiter, Teams, Firmen) in Bezug auf den jeweiligen (systemischen) Kontext.

Dabei wird das Verhalten von Menschen nicht isoliert aus deren inneren Eigenschaften heraus betrachtet, sondern auch aus ihren Beziehungen und Interaktionen untereinander. Ziel ist es, die Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Die Beteiligten werfen auch einen Blick auf die anderen im systemischen Umfeld involvierten Personen.

Die systemische Beratung und Therapie grenzt sich dabei jedoch klar von der heilkundlichen Behandlung in Form von Psychotherapie laut Psychotherapiegesetz (PsychThG) ab.

 

 

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Zusammenfassung: Systemische Fragen und Ihre Anwendung in Coaching, Beratung und (systemischer) Therapie

 

Systemische Fragen

 

Sie haben einen Überblick über die 6 wichtigsten systemischen Fragetechniken erhalten. Eine intuitive, variable und zielgerichtete Fragetechnik ist das Basis-Werkzeug eines jeden Coachs und Therapeuten.

 

Einige systemische Fragen, wie zum Beispiel paradoxe Fragen bergen das Potential, für den Klienten irritierend zu sein, weshalb sie dosiert und lediglich als Ergänzung im Dialog eingesetzt werden sollten. Um zu starke Irritation zu vermeiden, ist es ratsam, bereits eine gemeinsame Vertrauensbasis zu haben und die Klienten gegebenenfalls über eine zu Beginn ungewöhnlich anmutende Frage zu informieren.

 

Um systemische Fragen optimal zu integrieren, empfiehlt es sich, diese auch außerhalb der Live-Sitzungen im Alltagsgeschehen des Klienten einzusetzen. Dazu bieten insbesondere online basierte Beratungstools, wie CleverMemo, die perfekten Rahmenbedingungen. Es bietet die Möglichkeit, die Antworten als unverfälschtes Feedback aus dem Alltag des Klienten, in Ihre Interventionen zu integrieren und somit den Prozess systemisch und ganzheitlich den individuellen Bedürfnissen des Klienten anzupassen und zu optimieren.

 

Gerade bei Fragen, in denen ausführlich über mögliche Lösungen und Ideen kreativ nachgedacht werden soll, ist der Dialog im virtuellen Raum hilfreich. Ihre Klienten spüren nicht den „Druck“, die Frage jetzt sofort im Live-Gespräch mit Ihnen beantworten zu müssen. Sie haben zu Hause, an einem Ort, an dem Sie sich wohl und geborgen fühlen, jede Zeit der Welt sich mit der Frage auseinander zu setzen.

 

Auch die Stimmung, in der sich Klienten befinden, spielt eine wesentliche Rolle. Oftmals zielen systemische Fragen darauf ab, kreative Lösungen & Ideen zu finden. Deshalb ist die jeweilige Laune und Stimmung des Klienten bei der Beantwortung ein wichtiger Faktor. Vielen Menschen fällt es zudem leichter, die eigenen Gedanken und Ideen frei zu entfalten und sich zu öffnen, wenn Sie nicht im direkten Dialog mit einer anderen Person stehen.

 

Darüber hinaus bringt die schriftliche Formulierung der Antworten noch einmal eine intensivere Auseinandersetzung und Reflexion mit dem jeweiligen Thema. Bei der Schriftlichkeit entstehen Bilder und Emotionen, was zudem zu einer bewussteren Auseinandersetzung und besseren Verankerung führt.

Ihre Klienten können sich für Beantwortung so viel Zeit nehmen, wie Sie benötigen und in Ruhe über die Antworten nachdenken.
Dieser asynchrone Austausch birgt für Sie als Coach / BeraterIn ebenfalls den Vorteil, dass Sie sich für eine Reaktion Zeit nehmen können und wenn nötig sogar noch den zusätzlichen Rat einer Kollegin einholen können (Intervision / Supervision).

 

Die hier beschriebene Mischung aus Live oder Online Coaching / Therapie wird Blended Coaching genannt und kann als die modernste Form der Intervention betrachtet werden, da sowohl die Intensität, als auch die Qualität des Prozesses deutlich steigt.

 

Der Prozess kann auch guten Gewissens als ganzheitlich bezeichnet werden, da er das (systemische) Umfeld und die dort entstehenden Eindrücke und Gefühle, ohne Umwege mit einbezieht.

Durch diese Ergänzung Ihrer Präsenz-Begegnungen um eine online Begleitung in Coaching, Beratung und Therapie wird Ihr Angebot um eine zeitgemäße und ganzheitliche Komponente erweitert.

 

Die schriftliche Auseinandersetzung mit den systemischen Fragen sorgt für neue Ideen, fördert die Selbstreflexion, regt einen inneren Dialog an und stärkt sogar die Resilienz. In CleverMemo sind einige Tools integriert, die auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und die Sie sofort in Ihr Coaching integrieren können. Auch das Führen eines Coaching- und Therapietagebuchs ist so einfach möglich.

 

Neben systemischen Fragen sind auch Fragebögen zur Ressourcenaktivierung, Reflexion und Vertiefung der Sitzungen enthalten. Eine webbasierte Begleitung sorgt dafür, dass Ihre Klienten sich auch außerhalb der Termine intensiv und eigenständig mit ihren Themen auseinandersetzen und dranbleiben.

 

Ein Alleinstellungsmerkmal, das die nachhaltige Wirksamkeit Ihrer Interventionen sicherstellt und Sie aus der Masse der Coaches herausragen lässt. Systemisch – Ganzheitlich – Nachhaltig. Hier können Sie es kostenlos testen

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Systemische Fragen (PDF) – Fragebögen, Methoden und Übungen

 

Dieses Tool-Set hilft Klienten unbewusste Hindernisse, aber auch Potentiale im Umfeld zu erforschen und identifizieren. Mit den 7 praxiserprobten Fragebögen unterstützen Ihre Klienten dabei, das eigene Umfeld achtsam wahrzunehmen und in Veränderungsprozesse mit einzubeziehen.

Zusätzlich werden die Rollen der Beteiligten analysiert und ihre (möglichen) Reaktionen in Bezug auf die gewünschte Veränderung eingeordnet. Sie erhalten die Tools im PDF und Word-Format. Falls Sie CleverMemo nutzen, werden die Fragebögen außerdem zu direkten Einsatz in Ihrem Account freigeschaltet. Hier erfahren Sie mehr.

 

Systemische-Fragen-Tools-min

 

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