Hausaufgaben in Psychotherapie und Coaching: Wirksamkeit & Potential

hausaufgaben-psychotherapie-coachingDie Zeit, die Klienten tatsächlich in den Psychotherapie oder Coaching Sitzungen verbringen ist begrenzt. Über 98% der Veränderungs- und Entwicklungsprozesse verbringen die Klienten außerhalb der Sitzungen, in ihrem Alltag. Deshalb stellen vor allem erfahrene Therapeuten und Coaches ihren Klienten Hausaufgaben, die den Transfer in die Praxis sicherstellen und die Intensität des Prozesses aufrechterhalten.

Die Wirksamkeit von Hausaufgaben in Psychotherapie und Coaching ist längst belegt (Kazantzis 2000).

Das Stichwort ist hier die Eigenverantwortung der Klienten, die durch Aufgaben, Übungen, Fragebögen und Tagebücher dazu angeregt wird, den eigenen Prozess aktiv zu gestalten. Zusätzlich stärkt die Magie der Wiederholung von Sitzungsinhalten mit eigenen Worten, Gedanken und Interpretationen das Verständnis für den eigenen Prozess.

Prinzipiell sind Hausaufgaben bei allen Therapien und Coachings, unabhängig von der jeweiligen Schule gewinnbringend einsetzbar. Vorreiter ist hier wohl die kognitive Verhaltenstherapie, bei der verschiedene Übungen schon seit langem ein fester Bestandteil sind.

Welche Ziele verfolgen Hausaufgaben in der Psychotherapie, Coaching und Beratung ?
Die Erledigung der Hausaufgaben sicherstellen: Das sollten Sie beachten
Die Struktur der Hausaufgaben
Die Integration in Ihr Angebot und die Einbeziehung digitaler Medien:
Welche Arten von Hausaufgaben gibt es im Coaching und der Psychotherapie ?
Zusammenfassung: Hausaufgaben in Psychotherapie und Coaching

 

Welche Ziele verfolgen Hausaufgaben in der Psychotherapie, Coaching und Beratung ?

Übungen und Fragebögen, die vom Klienten außerhalb der Sitzungen bearbeitet werden unterstützen und fördern den Prozess auf verschiedene Art und Weise und haben folgende Ziele:

 

Unterstützt den Transfer von der Sitzung in den Alltag:

Klienten werden dazu angeregt, die gemeinsam besprochenen Inhalte konkret im Lebensalltag umzusetzen und anzuwenden. Die praktische Umsetzung wird trainiert und die Erfahrung dabei in Form von Feedback dem Coach oder Psychotherapeuten geteilt. Auch Reaktionen aus dem Umfeld des Klienten sind eine wichtige Information und ermöglichen die individuelle Planung der kommenden Schritte im Prozess.

Die Selbstverantwortung und Eigeninitiative wird gefördert und gestärkt:

Statt sich passiv zurückzulehnen, werden Klienten angehalten aktiv etwas für das Erreichen ihres Ziels zu tun. Über die Zeit werden Ressourcen im Klienten aktiviert und die Motivation für die Gestaltung der eigenen Entwicklung steigt enorm.

Der Prozess wird intensiviert:

Durch verschiedene Übungen und Fragen werden Klienten trainiert, sich bestehende Verhaltensweisen und Muster bewusst zu machen. Ein innerer Dialog wird angeregt und eigene Gedanken werden formuliert. Um alte Verhaltensweisen nachhaltig durch neue zu ersetzen ist ein stetiges üben, erfahren und bewusst machen im Alltag unerlässlich. Dauerhafte Entwicklung und Veränderung kann nur durch diese aktiven Prozesse und stetige Anwendung stattfinden.

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Die Erledigung der Hausaufgaben sicherstellen: Das sollten Sie beachten

 

Einige Umfragen belegen, dass Hausaufgaben oftmals gar nicht, oder nur teilweise erledigt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Wenn die Aufgaben nicht erledigt wurden geben Klienten häufig an, dass Sie den Sinn der Aufgabe nicht verstanden haben, oder keine Zeit hatten.
Besonders häufig fühlen sich Klienten auch von den Aufgaben überfordert. Sie sind sich nicht sicher, ob sie die „richtige“ Antwort geben, oder ihnen fällt aus ihrer Sicht nichts „sinnvolles“ ein. Es entsteht die Angst etwas falsch zu machen, oder sich gar zu blamieren. Für viele Menschen ist es beispielsweise neu sich selbst zu beobachten und darüber zu reflektieren. Eines der größten Hemmnisse bei der Erledigung der Aufgaben ist die fehlende Einsicht beim Klienten.
„Was bringt mir das ?“

 

Online CoachingDie Herausforderung für Coaches und Therapeuten liegt also darin, den Klienten zu vermitteln, dass die Arbeit außerhalb der Sitzungen ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses ist. Das sollte bereits in der Anfangsphase der gemeinsamen Arbeit stattfinden.

Die Grundvoraussetzung für den Effekt und die Wirksamkeit von Hausaufgaben ist nämlich die Bereitschaft des Klienten, diese zu erledigen. Dieser Wille zur aktiven Mitarbeit wird als „Compliance“ bezeichnet, deren Basis die Beantwortung der obenstehenden Frage, was es bringt, ist.

Eine Woche hat 168 Stunden (24×7). Gehen wir von einer Sitzung pro Woche aus, die 2 Stunden in Anspruch nimmt, so verbringt der Klient mehr als 98% der Zeit in seinem Prozess alleine. In dieser Zeit ist es unabdingbar für den Erfolg, dass Klienten eigenverantwortlich an ihrem Prozess weiter arbeiten. Sobald den Klienten das bewusst ist, erledigt sich die Frage, ob Hausaufgaben wirklich sinnvoll und notwendig sind.

 

Es ist zudem wichtig, dass der Klient einen Zusammenhang zwischen der Aufgabe und seinem aktuellen Thema sieht. Es sollte klar werden, wie und weshalb das Erledigen der Aufgabe zur Zielerreichung beiträgt. Nur dann werden die Klienten die notwendige Motivation haben, diese auch tatsächlich gewissenhaft zu erledigen. Die Aufgabe sollte Klienten positive Erfahrungen und den ein oder anderen Aha-Moment bescheren.
Studien zeigen, dass die Aufgabe weder zu leicht und anspruchslos, noch zu schwer sein sollte. Der zeitliche Aufwand zur Erledigung sollte sich ebenfalls in Grenzen halten. Oft ist es hilfreich, die Aufgabe kurz gemeinsam zu besprechen, um eventuelle Hemmnisse und Bedenken beim Klienten aus dem Weg zu räumen.

Da der Begriff Hausaufgabe oftmals durch die Schulzeit negativ assoziiert wird, empfiehlt es sich alternative Begriffe zu verwenden. Beispiele sind: Achtsamkeitsübungen, Tools, Fragebögen, Tagebuch, Selbstbeobachtung, Selbsttraining, Praxisübung, oder Lerntransfervereinbarung.

 

Die Struktur der Hausaufgaben:

psychologie-übungenEs ist wichtig, die Hausaufgaben als wesentlichen Bestandteil fest in den Prozess zu integrieren. Schmidt und Woolaway-Bickel haben festgestellt, dass die Qualität der erledigten Hausaufgaben im Prozessverlauf nach und nach zunimmt. Das liegt vermutlich daran, dass die Routine und die Übung dazu führt, dass die Aufgaben als notwendiger Teil auf dem Weg zum Ziel wahrgenommen werden.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Schriftlichkeit. Helbig und Fehm haben einen positiven Zusammenhang zwischen der Erledigung der Aufgabe und einer schriftlichen Fixierung nachgewiesen. Die Schriftlichkeit wirkt wie eine Art Vertrag und stärkt so die Verbindlichkeit. Die Vergabe der Aufgaben und Übungen in schriftlicher Form hilft zudem bei der Strukturierung und konkreten Erinnerung, was genau erledigt werden soll.

Um inhaltliche Missverständnisse bei der Aufgabenerledigung zu vermeiden, wird dringend empfohlen, dass die Aufgabe sowohl dem Klienten als auch dem Therapeuten / Coach in Schriftform vorliegt.

 

Auch die Hausaufgabe an sich sollte in schriftlicher Form vom Klienten erledigt und am besten direkt mit dem Coach / Therapeuten geteilt werden. Die Ausführungen, Gedanken und Erfahrungen liefern wichtige Informationen (Feedback). Diese können in die kommende Sitzung und Schritte integriert werden. Es hat sich gezeigt, dass es auf die meisten Klienten motivierend liegt, wenn für die Erledigung der Aufgabe ein bestimmter Zeitpunkt festgelegt wird. Die Aufgabe sollte konkret formuliert sein und der Zeitpunkt der Erledigung sollte nicht allzu weit in der Zukunft liegen.

Der Coach / Therapeut sollte informiert werden, sobald die Aufgabe erledigt ist, oder falls es Rückfragen gibt, die den Klienten an der Ausführung hindern. Im besten Fall sendet der Klient direkt seine Ausführungen an den Coach / Therapeuten, damit dieser sie in die kommende Sitzung mit einarbeiten kann. Die gemeinsame Besprechung der Aufgabe in der Sitzung sollte ein fester Bestandteil sein, um die Arbeit des Klienten zu würdigen und zu analysieren.
Der Psychologe Dr. Kazantzis fand in seinen Untersuchungen heraus, dass Therapien in denen Hausaufgaben eingesetzt wurden, erfolgreicher waren als Therapien bei denen keine Hausaufgaben erledigt wurden.

Die Integration in Ihr Angebot und die Einbeziehung digitaler Medien:

 

Die Wirksamkeit von Hausaufgaben in Psychotherapie und Coaching ist längst bewiesen. Sie sind ein Mittel, um die Intensität des Prozesses zwischen den einzelnen Sitzungen in Gang zu halten. Bisher war es jedoch mit einigem organisatorischem Aufwand für Coaches, Psychologen und Therapeuten verbunden, diese in ihr Angebot zu integrieren. Bei der schriftlichen Vergabe mussten dem Klienten Blätter ausgehändigt werden. Dieser musste daran denken, sie bei der nächsten Sitzung ausgefüllt mitzubringen und hatte auch keine Möglichkeit spontane Erfahrungen und Gedanken zu notieren und ungefiltert, im Moment des Erlebens mit dem Coach / Therapeuten zu teilen.

kognitive-verhaltenstherapie-übungenIm mobilen Zeitalter ist es dank Smartphone und Laptop jedoch effizient möglich dem Klienten Hausaufgaben zu geben, den Klienten automatisch daran erinnern zu lassen und jederzeit einen gemeinsamen aktuellen Stand über die Erledigung der Aufgaben zu haben.
Durch den Einsatz von CleverMemo lassen sich Hausaufgaben und die damit zusammenhängende Struktur mit wenigen Klicks darstellen. Zudem erhalten Klienten den roten Faden ihres Prozesses an die Hand, da alle Gedanken und Inhalte strukturiert und chronologisch dargestellt werden. Die Sichtbarkeit von Fortschritten und auch Hindernissen ist sofort gegeben. Reflexion vergangener Inhalte im Kontext ist ganz einfach und jederzeit möglich. Optimales Klienten-Feedback steht dem Therapeuten / Coach umgehend und vollständig zur Verfügung. Eine nie gekannte klientenorientierte und individuelle Prozesssteuerung wird dadurch erst möglich. (www.CleverMemo.com)

Welche Arten von Hausaufgaben gibt es im Coaching und der Psychotherapie ?

  • Tagebücher: Die Planung des Prozesses unterstützen. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie hier. Klienten notieren dort regelmäßig Ihre Erfahrungen und Eindrücke, Erfolge und Hürden bei der Umsetzung neuer Verhaltensweisen
  • Achtsamkeitstraining: Klienten werden angeregt, eigene und fremde Verhaltensmuster und Reaktionen zu beobachten und zu dokumentieren. Hier gibt es Übungen, die den Klienten zum „externen“ Beobachter seines eigenen Prozesses machen. Stimmungen, Gefühle, Eindrücke sollten möglichst im Moment des Erlebens (zeitnah) notiert werden
  • Eigene Ziele überprüfen: Klienten werden auch während des Prozesses immer wieder angeregt, die zu Beginn (schriftlich) festgelegten Ziele und auch die Gründe für die Ziele erneut auf Ihre Relevanz zu überprüfen
  • Reflexion: Klienten setzen sich mit Problemen, Ängsten, inneren Widerständen, Gewohnheiten und Themen auseinander. Eigene Ideen werden entwickelt und oftmals auch die Kreativität angeregt, die zu neuen Lösungswegen führt.
  • Ressourcenaktivierung: Klienten werden durch gezielte Fragen dazu angeregt Ihren vorhandenen Ressourcen auf den Grund zu gehen. Sie machen sich Gedanken, wie Sie diese positiv für Ihren Entwicklungs-, Veränderungs-, oder Heilungsprozess einsetzen können
  • Systemische Hausaufgaben: Der Klient beschreibt und beobachtet sein eigenes Umfeld. Welche Rolle spielt es im Prozess. Wie fallen Reaktionen auf Veränderungen im Laufe des Prozesses aus ? Ein passendes Tool-Set finden Sie hier

 

Eine kurze Zusammenfassung: Hausaufgaben in Psychotherapie und Coaching

 

  • Die Hausaufgabe sollte ein fester Bestandteil des Prozesses sein: Transfersicherung in den Alltag
  • Sinn und Zweck der Aufgaben in Bezug auf seine Ziele sollten dem Klienten klar gemacht werden
  • Aufgaben sollten weder zu leicht noch zu schwer sein. Der Zeitaufwand zur Bearbeitung sollte sich in Grenzen halten
  • Schriftlichkeit stärkt die Verbindlichkeit, beugt Missverständnisse vor, gibt Struktur, ermöglicht Wiederholung und erleichtert dem Coach / Therapeut zudem die Arbeit wesentlich
  • Der Zeitabstand zur Erledigung der Aufgabe sollte nicht zu groß sein
  • Die Hausaufgaben sollten immer Nachbesprochen werden

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2017-05-14T14:48:07+00:00 Februar, 2017|

About the Author:

Richard Schuy
Gründer von CleverMemo - > Software für Coaching, Beratung & Therapie. So gelingt Ihren Klienten der Transfer in den Alltag nachhaltig

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