Viele von uns vergleichen sich täglich. Wer sieht besser aus als ich? Wer ist sportlicher? Wer kocht besser? Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit als ich? Wer ist erfolgreicher als ich? Wer hat mehr Glück im Leben? Wenn ich doch nur XYZ genauso gut könnte, wie…

Diese Vergleiche machen nicht nur unglücklich, sondern sie sind auch einer der Hauptmotoren für Perfektionismus. Den meisten von uns ist dieser zwanghafte Perfektionismus nicht einmal bewusst. Es ist das Gefühl nie gut genug zu sein, immer mehr machen zu müssen und niemals zufrieden zu sein. Es ist die Angst vor Kritik, Spott oder ausgeschlossen zu werden, die unsere Handlungen bestimmen.

Der ständige Vergleich mit anderen beginnt schon in der Kindheit. Wir werden mit Vorbildern konfrontiert, denen man nacheifern sollte, um als erfolgreicher Mensch zu gelten. Anstatt uns mit unseren eigenen Qualitäten, Talenten, Wünschen und Eigenschaften zu beschäftigen und diese weiterzuentwickeln, um unsere Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

 

Höher, schneller, weiter!

 

Wer läuft schneller im Sportunterricht? Wer ist der bessere Basketballspieler? Wer hat die besseren Noten?

Der andauernde Vergleich mit anderen setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort. Durch das Internet und Social-Media gewinnt dieses ständige Vergleichen ganz neue Dimensionen. Immer mehr, immer größer und immer weiter ist das Motto.

Das Problem dabei ist, dass wir uns selten mit jemandem vergleichen, der weniger talentiert, gutaussehend oder erfolgreich ist als wir. Stattdessen orientieren wir uns an Menschen, die wir in einem bestimmten Bereich für perfekt und beneidenswert halten und die uns dann als Vorbilder dienen. Bei einem gesunden Streben nach Wachstum und Verbesserung kann uns dieser Vergleich sogar zu Höchstleistungen motivieren.

Für den Perfektionisten werden solche Vergleiche jedoch oft zur Qual. Er verteufelt sich und sieht sich als Versager, wenn er es nicht schafft an das Niveau seines Vorbilds heranzukommen. Die Freude am Tun geht verloren und wird stattdessen zum Stressfaktor, der alles andere übertrumpft.

 

Ein Weg aus dieser Vergleichsfalle ist es, sogenannte Vorbilder und Idole aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das klingt zwar abgedroschen, ist aber wahr. Jeder Mensch ist einzigartig. Wir alle haben unterschiedliche Talente, Qualitäten und Lebensgeschichten, weshalb auch unsere Ziele und Ansprüche zu uns passen sollten. Hier finden Sie eine Übung dazu.

Ständige Vergleiche mit anderen erinnern uns immer wieder daran, dass wir bestimmte Dinge nicht können, noch nicht erreicht haben und vielleicht nie erreichen werden. Das ist ungeheuer frustrierend und bringt unser Selbstwertgefühl in den Keller. Mangelndes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl sind die treibenden Kräfte hinter zwanghaftem Perfektionismus.

 

Wenn das Vorbild zur Qual wird

 

Gerade berühmte Vorbilder werden immer wieder idealisiert. Das Fatale daran ist, dass wir uns immer nur den Aspekt herauspicken, in dem wir diese Personen für perfekt und beneidenswert halten.

  • Ich möchte beruflich so erfolgreich sein wie…
  • Ich würde gerne so gut Tennis spielen, aussehen oder singen wie…

 

Dabei wird in der Regel vollkommen vernachlässigt, was hinter diesem vermeintlichen Erfolg steht.
Welche Opfer diese Person dafür bringen musste und noch immer muss. Worauf muss sie für diesen Erfolg verzichten? Was ist die ganze Geschichte dahinter?

Anstatt den Menschen als Ganzes samt all seiner Umstände zu betrachten, werden wir unglücklich, indem wir uns ausschließlich auf einen bestimmten Bereich fokussieren.

Die Vorstellung von Reichtum, Ruhm oder der Vergleich mit dem Lebensstil berühmter Personen ist häufig ein sicherer Weg in ständige Unzufriedenheit. Wir schmälern unsere eigene Realität, unsere Qualitäten und Erfolge und streben nach Dingen, die oft unerreichbar sind. Unerreichbar nicht zwangsläufig, weil wir nicht das nötige Können haben, sondern weil sie vielleicht einfach überhaupt nicht zu uns und unserer Natur passen.

Das Perfektionismus-Toolset enthält eine Übung, die Ihnen hilft, Ihr Idealbild aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu identifizieren, welche Aspekte davon tatsächlich zu uns passen oder nicht. Ergibt es überhaupt Sinn für mich diesem Vorbild nachzueifern?

Sobald Sie sich darüber bewusst sind, wird sich Ihr Alltag wesentlich freier und ungezwungener anfühlen. Probieren Sie es aus!