80 % der deutschen Bundesbürger leiden unter Stress!
Diese gigantische Zahl zeigt, wie viel Stress unsere Gesellschaft in sich trägt und das sollte bei uns allen die Alarmglocken läuten lassen.
Vor allem die letzten Jahre nach der Pandemie haben den chronischen Stress vieler Menschen wesentlich erhöht. Die Hauptgründe dafür sind der wirtschaftliche Umbruch durch KI und Globalisierung, Angst vor Jobverlust, steigende Preise, Unsicherheit über die Zukunft aber auch der „Zwang“ immer und überall erreichbar sein zu müssen.
Dieses hohe Stressniveau tragen viele Klienten auch mit in Ihr Coaching, was gravierenden Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg haben kann. Wer diesem Thema nicht genügend Beachtung schenkt, läuft Gefahr, dass die so wertvolle Arbeit nicht die gewünschten Früchte trägt.
Gestresste Klienten sind gedanklich oft woanders und können sich deshalb nicht voll auf das Coaching konzentrieren. Selbst wenn es über die kurze Dauer der Sitzung gelingt, holt die Klienten der Stress spätestens im Alltag wieder ein und torpediert die Ergebnisse der Sitzung.
Deshalb verdient das Thema Stressmanagement im Coaching wesentlich mehr Aufmerksamkeit
Stress an sich ist erstmal nichts Schlechtes. In Stressmomenten versetzt unser Gehirn den Körper in höchste Alarmbereitschaft. Cortisol schießt in die Höhe. Das Herz rast. Der Blutzucker steigt. Muskeln spannen sich an. Der Körper macht sich bereit zu „kämpfen oder zu fliehen“. Diese Reaktion ist in lebensbedrohlichen Momenten unser Retter.
Ursprünglich hat sich unser Stresssystem also entwickelt, um unser Überleben zu sichern und nicht für den Umgang mit Geldsorgen, narzisstischen Kollegen, Chefs oder Beziehungsproblemen.
Im Alltag vieler Menschen ist Stress jedoch ein Dauerbegleiter geworden und ist deshalb ein echtes Problem. Herzkrankheiten, Schlafstörungen, Krebs, Burnout, Depressionen und viele andere Krankheiten sind die Folgen.
Eine ungeheuer wichtige Erkenntnis für alle Coaches
Wenn Ihr Klient auch nur leicht gestresst und mit den Gedanken woanders ist, wird die Fähigkeit seines Gehirns, sich auf ein Thema zu konzentrieren, zu reflektieren, zu planen und kreativ über Änderung nachzudenken wesentlich beeinträchtigt.
Selbst das brillanteste Tool oder die genialste Frage hilft dann nichts. Das System des Klienten ist nicht wirklich bereit, darauf einzugehen.
Erfolgreiche Coaches, die die Erkenntnisse der Neurowissenschaften nutzen, wissen:
Ohne den Stress eines Klienten vor Beginn des Coachings zu erkennen und Rücksicht darauf zu nehmen, fehlt oft die Basis für echte Veränderung. Im besten Fall gelingt es Ihnen also vor dem Coaching zu erkennen, ob der Klient im Moment gestresst ist und das Coaching zur stressfreien Zone zu machen, falls das der Fall ist.
So erkennen Sie, ob Ihr Klient gestresst ist:
Körperliche Anzeichen
- Veränderte Atmung: Flach, schnell oder unregelmäßig und manchmal auch das Zurückhalten des Atems.
- Muskelverspannungen: Besonders im Nacken, Schultern oder Kiefer.
- Unruhe: Zappeln, häufiges Wechseln der Sitzposition, nervöses Bewegen von Händen oder Füßen.
- Schwitzen: übermäßiges Schwitzen, vor allem an den Händen oder der Stirn.
- Blasse oder gerötete Haut, je nach Stressreaktion.
- Veränderte Körperhaltung: Eingezogen, verkrampft oder angespannt statt entspannt und offen.
Emotionale und kognitive Anzeichen
- Konzentrationsprobleme: Schwierigkeiten aktiv zuzuhören, klar zu denken oder sich zu fokussieren.
- Verwirrung oder Vergesslichkeit, wie das Vergessen von Details oder plötzliche Denkblockaden.
- Emotionale Reizbarkeit: Schnelle Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder Frustration.
- Überwältigungsgefühl: Der Klient wirkt „überfordert“ oder „ausgelaugt“.
- Rückzug: Schüchternheit, wenig Augenkontakt, reduziertes Sprechen.
Verhaltensmerkmale während der Sitzung
- Sprachmuster: Monotones oder stockendes Sprechen, undeutliche oder leise Stimme.
- Vermeidung von Themen: Ausweichen bei bestimmten Fragen oder Themen.
- Verlust der Klarheit: Plötzliche Unklarheit im Denken oder im Ausdruck.
- Unterbrechungen im Gespräch: Häufiges Abschweifen oder Schwierigkeiten, bei der Sache zu bleiben.
Viele dieser gerade genannten Signale drücken sich subtil aus und sind nicht immer sofort und offensichtlich erkennbar. Ein wenig Übung und Erfahrung sind in diesen Fällen sehr hilfreich.
Wenn Sie bei einem Klienten Stress erkennen, sollten Sie einfühlsam und gezielt reagieren, um ihn bestmöglich zu unterstützen.
Tipps für das Vorgehen mit gestressten Klienten im Coaching
1. Ruhe bewahren und Sicherheit vermitteln
- Sprechen Sie mit ruhiger und langsamer Stimme.
- Schaffen Sie eine angenehme und entspannte Atmosphäre.
2. Die Körperwahrnehmung fördern
- Laden Sie den Klienten ein, kurz innezuhalten und bewusst auf seinen Körper zu achten, zum Beispiel: „Wie fühlt sich Ihr Atem gerade an?“
- Nutzen Sie einfache Atemübungen
- Schlagen Sie leichte Bewegungen vor, wie Schultern kreisen oder sanftes Strecken.
3. Regulation des Nervensystems unterstützen
- Nutzen Sie Methoden zur Beruhigung des Nervensystems, wie beispielsweise:
- Kurzes Summen oder leises Singen (zur Stimulation des Vagusnervs).
- Visualisierungen von sicheren Orten oder positiven Erlebnissen.
- Bieten Sie Pausen an, wenn der Klient überfordert wirkt.
4. Auf Signale achten und diese behutsam ansprechen
- Beobachten Sie Atmung, Haltung und Mimik weiterhin genau.
- Sprechen Sie Ihre Wahrnehmungen behutsam an: „Mir fällt auf, dass Sie gerade etwas angespannt wirken. Möchten Sie eine kurze Pause machen?“
- Fragen Sie nach, wie der Klient den Moment erlebt: „Was nehmen Sie gerade in Ihrem Körper wahr?“
5. Überforderung durch zu viele Fragen vermeiden
- Vermeiden Sie zu viele oder zu tiefgehende Fragen, wenn der Klient unruhig oder verwirrt wirkt.
6. Zur Selbstfürsorge ermutigen
- Betonen Sie die Bedeutung von Erholung und Pausen im Alltag.
- Ermutigen Sie den Klienten, regelmäßig Entspannungsübungen oder kleine Auszeiten einzubauen.
7. Stress als Thema offen ansprechen
- Sprechen Sie den Stress und seine Auswirkungen offen an.
- Erklären Sie, warum es wichtig ist, Stress zu erkennen und zu regulieren, damit Veränderung gelingen kann.
8. Gemeinsam nachhaltige Strategien entwickeln
- Entwickeln Sie zusammen mit dem Klienten einfache Routinen zur Stressregulation, wie tägliche Atemübungen, Achtsamkeitsübungen oder Meditation.
- Unterstützen Sie ihn dabei, individuelle Stressauslöser zu erkennen und bewusst damit umzugehen.
Weiterführende Quellen & Ressourcen:




