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Neuroplastizität ist zu einem der am häufigsten verwendeten Begriffe in Gesprächen über Veränderung geworden.

Es ist die Fähigkeit unseres Gehirns sich in jedem Alter durch Erfahrungen, Lernen und Training zu verändern.

Viele Mythen und Ideen kreisen um diese Fähigkeit und wir zeigen auf, weshalb drei der bekanntesten Aussagen über die Veränderbarkeit unseres Gehirns falsch, beziehungsweise nur teilweise richtig sind. Wir beantworten außerdem die Frage:

 

Unter welchen Bedingungen findet nachhaltige Veränderung tatsächlich statt?

 

In der öffentlichen Diskussion wird Neuroplastizität oft als etwas Passives, fast schon automatisch ablaufendes dargestellt. Gewinne neue Erkenntnisse. Denke positiv. Wiederhole eine neue Überzeugung immer wieder. Alles was es braucht is ausreichend Motivation oder positive Absicht und das Gehirn wird sich einfach „neu verdrahten“.

Das Gefährliche an dieser Denkweise ist, dass Menschen, denen ihre gewünschte Veränderung nicht gelingt, schnell die Schuld bei sich suchen. Schließlich wird ihnen vor allem in den sozialen Medien immer wieder vor Augen geführt wie einfach es doch angeblich funktioniert. Schnell wundert man sich, weshalb man selbst dabei immer wieder versagt, wo es doch den anderen gelingt.

 


Irrtum #1: Einsicht und Verständnis allein sorgen für Veränderungen im Gehirn

 

Nur weil wir etwas verstehen oder einen „Aha!“-Moment haben, verändert sich unser Gehirn nicht automatisch. Einsichten fühlen sich gut an, geben uns einen Motivationsboost und können kurzzeitig Klarheit bringen. Damit sich aber wirklich etwas dauerhaft in unserem Kopf verändert, reicht das Verstehen allein nicht aus.

Das Gehirn baut neue Verbindungen vor allem dann, wenn wir das Neue immer wieder üben, in echten Situationen anwenden und über längere Zeit aktiv dranbleiben. Wenn wir nur einmal etwas verstehen, aber diese Erkenntnis nicht in unser Denken, Fühlen und Handeln integrieren, springt unser Gehirn unter Stress oder in vertrauten Situationen schnell wieder in alte Muster zurück.

 

Schließlich ist es ein Gewohnheitstier und liebt Vertrautes. Deshalb sind Üben, Wiederholung und praktische Anwendung so wichtig — nicht nur gute Ideen und Erkenntnisse.

 

Irrtum #2: Mindset und positives Denken ist alles

 

Nur weil wir versuchen, positiv zu denken, verändert sich unser Gehirn nicht automatisch dauerhaft. Positive Gedanken oder Affirmationen können sich im Moment gut anfühlen, uns motivieren oder uns beruhigen.

Aber damit wirklich neue Muster entstehen, reicht es nicht, nur negative Gedanken durch positive zu ersetzen. Unser Gehirn stärkt Verbindungen vor allem dann, wenn wir sie immer wieder in echten Situationen aktiv nutzen und dabei Anstrengung zeigen.

Wenn wir positiv denken, das Verhalten und der Alltag aber gleich bleiben, greifen unter Druck meist wieder die alten, am stärksten eingeübten Gewohnheiten. Positive Gedanken sind ohne Frage wichtig und hilfreich, aber wir müssen das neue Denken auch praktisch üben und anwenden, damit Veränderung entsteht, die nachhaltig ist.

 

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Irrtum #3: Veränderung muss einfach gehen

 

Nur weil Veränderung möglich ist, heißt das nicht, dass sie leicht ist. Veränderungen im Gehirn kosten jede Menge Energie:

Das Gehirn passt sich eher an, wenn es merkt, dass sich der Aufwand wirklich lohnt. Das heißt nicht, dass wir unter allen Umständen härter arbeiten oder gar leiden müssen, damit sich etwas verändert, sondern dass echte Veränderung Engagement und realen Einsatz braucht.

Wenn wir etwas nur wollen, aber nicht die nötige Zeit, Anstrengung oder Wiederholung investieren, bleibt die Veränderung oft oberflächlich und von kurzer Dauer, bevor die alten Muster wieder greifen und wir den aus der Diät bekannten Jo-Jo-Effekt erleben.

Darum fällt es vielen schwer, langfristig dranzubleiben — nicht, weil sie träge sind, sondern weil das Gehirn ohne klare Signale und wiederholte Anstrengung lieber bei den alten, weniger energieaufwändigen Mustern bleibt. Es schaltet dann immer wieder in den Energiesparmodus.

 

Diese Irrtümer über Veränderungen sind häufig die Wurzel für Selbstvorwürfe

 

Wenn Neuroplastizität und Veränderung generell als einfach und schnell erreichbar dargestellt wird, führt das schnell zu Selbstvorwürfen.

Die Schlussfolgerungen lauten dann oft:

  • „Ich weiß doch was zu tun ist, aber warum will es mir nicht gelingen?”
  • „Bei allen anderen klappt es, nur ich bin unfähig!”
  • „Mit mir stimmt etwas nicht.“

 

Was neuroplastische und dauerhafte Veränderung tatsächlich unterstützt

 

Wenn Veränderung nicht automatisch passiert, müssen wir konkret fragen: Was braucht unser Gehirn, um sich wirklich zu verändern? Forschung zeigt vier zentrale Bedingungen, die zusammen geschaffen werden sollten:

 

1 – Ein klares Ziel

Nicht nur eine vage Absicht, sondern eine genaue Richtung, um die sich unser Verhalten und unser Nervensystem organisieren können. Das Gehirn passt sich leichter an, wenn klar ist, worauf optimiert werden soll.

 

2 – Emotionale Relevanz – Ein starkes Warum

Veränderung geht schneller, wenn uns etwas wirklich wichtig ist. Gefühle gepaart mit einem starken Grund für die Veränderung signalisieren dem Gehirn Priorität – das hilft dabei, Erfahrungen zu speichern und alte Muster zu überarbeiten.

 

3 – Etwas für die Veränderung tun

Plastizität kostet Energie. Unser Gehirn verändert sich eher, wenn wir aktiv und mit Einsatz üben, statt nur positiv zu denken. Echtes Engagement sendet das Signal: Diese Veränderung ist die Mühe wert.

 

4 – Wiederholung und konsequentes Dranbleiben

Neue Verhaltensweisen müssen oft genug und über längere Zeit wiederholt werden, weil sie mit alten, fest verankerten Mustern konkurrieren. Ohne ausreichende Wiederholung gewinnen die alten Wege, besonders unter Stress. Dann ist man schon nach kurzer Zeit wieder in alten Fahrwassern.

Diese vier Bedingungen erklären, warum gute Ideen oft theoretisch überzeugend, in der Praxis aber instabil sind: Häufig fehlt eine oder mehrere dieser Grundlagen. Anstatt sich selbst Vorwürfe zu machen („Ich bin nicht diszipliniert genug“), ist es hilfreicher zu prüfen:

 

Welche dieser Bedingungen sind vorhanden, welche fehlen?

 

Dieser Perspektivwechsel lenkt den Fokus weg von Selbstvorwürfen und hin zu aktiver Prozessgestaltung. Wenn Sie diese Erkenntnisse mit Ihren Klienten im Coaching und der Beratung nutzen, werden Sie feststellen, wie viel besser und vor allem nachhaltiger die Resultate sind.

Ihre Klienten werden zum aktiven Gestalter ihrer Veränderung. Sie übernehmen Eigenverantwortung und erleben echte Selbstwirksamkeit. Wenn Sie erfahren möchten, wie Sie diese Erkenntnisse mit einer schlüsselfertigen Struktur und wenig Aufwand in Ihr Angebot integrieren, dann buchen Sie hier Ihr kostenloses Erstgespräch.

 

 

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